Antiquariate aufgepasst: Abmahnung droht
19. December 2007Und schon wieder etwas Neues: Wegen des Anbietens antiquarischer Bücher, die teils seit Jahrzehnten indiziert sind, werden derzeit Online-Buchhändler abgemahnt. Manche der Bücher sind aus heutigem Verständnis harmlos, landeten aber in den 50er und 60er Jahren auf dem Index der jugendgefährdenden Schriften.
Nach Aussagen der Buchhandelsplattform Booklooker sollen bereits rund 300 Online-Buchhändler abgemahnt worden sein. Die Abmahnung beauftragt hat Gutenberg Fachbuchhandlung Renner GmbH, ausführende Rechtsanwaltskanzlei ist Rechtsanwältin Christine Ehrhardt aus Overath.
Booklooker, als zunächst betroffene Plattform, organisiert den Widerstand vorbildlich. Für die Betroffenen steht ein Infoforum und eine Infoseite mit Muster-Erwiderungen zur Verfügung.
Tipp:
Vermeiden kann man solche Abmahnungen wohl aktuell nur, wenn man alle Bücher, die irgendwann im Index auftauchten, aus dem Programm streicht und diese nicht mehr im Internet anbietet. Dass das - insbesondere beim Einsatz von Mitarbeitern schwierig sein dürfte – ist klar. Im Laden dagegen dürfte eine Alterskontrolle einfach sein.
Lesen Sie sich die genauere Darstellung des Falls auf der Infoseite durch und handeln Sie.
Kommentar:
Bei der Anzahl der Abgemahnten bleibt der Eindruck nicht aus, dass es hier um das Kassieren der Vertragsstrafe geht, die gerade bei größeren Buchbeständen mit Unterzeichnung der Unterlassungserklärung fällig würde, wenn auch nur ein indiziertes Buch im Angebot des Buchhändlers auftaucht. Man stelle sich das so vor: Man mahnt 300 Buchhändler (oder mehr) ab, setzt ein, zwei Hilfskräfte zur Überprüfung der kommenden Angebote ein – und wenn einem der Abgemahnten ein Titel durchrutscht, werden 5.100 Euro fällig. Das könnte sich richtig lohnen…
Chekker December 20th, 2007 at 10:28
Praktischerweise hat man sich in Abmahnkreisen auch auf die Zeit kurz vor Weihnachten fixiert. Warum nur? Damit es den Abgemahnten auch wirklich wehtut und sie die Weihnachttage mit Magenschmerzen verbringen? Oder doch nur, weil es in diesen Tagen schwieriger wird, fachliche Hilfe zu bekommen?
Um es klarzustellen: Abmahnungen sind gut und richtig. Verabscheuungswürdig ist aber die Geldschneiderei, die damit betrieben wird.